Am kommenden Freitag und Samstag wollen tausende Neonazis aus NPD und „Freien Kameradschaften“ zum zwölften Mal in Folge in Dresden demonstrieren. Das Revisionistenspektakel entwickelte sich über die Jahre zum größten regelmäßig stattfindenden Neonaziaufmarsch in Deutschland. Auch in der mecklenburger Naziszene ist Dresden ein Thema, so fanden inzwischen vielfältige Mobilisierungsmaßnahmen statt.
Auf sämtlichen wichtigen Neonazi-Websites aus MV ließen sich in den letzten Wochen Werbebanner für den Naziaufmarsch am 14.02. in Dresden finden. Während die „Mecklenburgische Aktionsfront“ auf ihrem neuen Weblog „Abwrackprämien“ für Plakate des „No Pasaran“-Bündnisses verspricht, geben sich die „Nationalen Sozialisten Rostock“ auf ihrer Internetpräsenz eher nachdenklich und veröffentlichen einen theatralischen Nachruf auf das Dresden von 1945 nach dem Anderen. Schwerpunkt aller Texte ist es Quellen zu exzerpieren in denen die Zahl der Opfer der alliierten Luftangriffe auf über 200.000 – 600.000 hochgelogen wurde. Das Ergebnis der Historikerkommission, welches Ende vergangenen Jahres veröffentlicht wurde und lediglich von 18.000 bis maximal 25.000 Todesopfern ausgeht, stellt dabei das zentrale Motiv, für das neuerliche Legitimationsbedürfnis rechtsextremer Geschichtsrevisionisten, dar.
Desweiteren fand am vergangenen Samstag, dem 07.02.2009 in Boizenburg, eine Mobilisierungskundgebung unter dem Motto „An Dresden erinnern – Nie wieder Krieg“ statt, welche vom Rechtsextremisten Nils Kandar angemeldet wurde und von ca. 20 bis 30 Neonazis besucht wurde.1, 2, 3
Trauermarsch in Dresden anstatt „Day of Honour“ in Budapest
Entgegen dem Trend, den Teile der Kameradschaftsszene in Sachsen, Thüringen und Bayern gehen, den 14. Februar aus Protest gegen die NPD-Dominanz zu boykottieren, ist in Mecklenburg-Vorpommern keine konzentrierte Teilnahme am „Day of Honour“ in Budapest abzusehen.4
Im Gegenteil, die „Mecklenburgische Aktionsfront“ bzw. der ViSdP David Petereit druckte extra ein eigenes Plakat zur Mobilisierung für den Trauermarsch am 14. Februar auf dem auch die Internetseite der „Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland“ (JLO-Sachsen) angegeben wurde.
Auch Rainer Stanke und sein „Widerstand Wittenburg-Waschow“ samt der dazugehörigen kürzlich gegründeten JN-Gruppe Wittenburg, rühmt sich seit Wochen auf seiner anachronistisch anmutenden Website bereits einen vollbesetzten Reisebus für die Fahrt nach Dresden organisiert zu haben.
Die Auseinandersetzungen zwischen NPD und den sich als „Freie Nationalisten“ generierenden Neonazi-Kameradschaften, die andernorts zur offenen Spaltung führt, hat in Mecklenburg zumindest nach außen weiterhin keine Auswirkungen. Es muss daher auch dieses Jahr in Dresden mit einer starken Präsenz rechtsradikaler Gruppierungen aus Mecklenburg-Vorpommern gerechnet werden.
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Paul Bedeking
- Siehe „Rechte Kundgebung in Boizenburg“ vom 08.02.2009 auf ln-online.de (Lübecker Nachrichten) [zurück]
- Vergleiche „Polizei verhindert Ausschreitungen nach rechtsextremer Kundgebung“ vom 09.02.2009 auf endstation-rechts.de [zurück]
- Siehe „Polizeiwillkür in Boizenburg“ vom 12.02.2009 erschienen auf de.indymedia.org [zurück]
- Vergleiche „Nicht nur in Dresden…“ vom 11.02.2009 erschienen auf de.indymedia.org [zurück]
:D schön das es weiter geht