On the Road Again

Es gehört inzwischen zur einstudierten Praxis der NPD, in Wahlkampfzeiten mit einem festen Team quer durch’s ganze Bundesland zu fahren und Infostände abzuhalten. Nur selten werden sie dabei von lokalen Mitgliedern unterstützt. Ob diese nicht vorzeigbar sind oder einfach kein Interesse an bürgernaher Arbeit (und der dazugehörigen Kritik) haben ist leider nicht bekannt. So war es aber 2006 zur Landtagswahl, im Sommer 2008 und so zeigt es sich auch in diesem Jahr wieder.

Angespornt durch die anstehenden Kommunalwahlen am 07. Juni wird auch dieses Mal das Land mit Parteiveranstaltungen jeglicher Art überzogen. Besondere Brisanz erfährt dabei die, ebenfalls jährlich stattfindende, Demonstration der NPD in Neubrandenburg. Hier formiert sich schon lange im Vorfeld energischer Protest. So hat die Stadt bereits angekündigt auch dieses Jahr ein Verbot anzustreben.
Ein anderer Schauplatz des Wahlkampfes sind öffentliche Plätze, Bahnhöfe und die Eingänge von Einkaufszentren. Nachdem sich die NPD-Kader aus dem Landkreis Ludwigslust bereits in den vergangenen Wochen die Zähne an der Boizenburger Zivilgesellschaft ausgebissen hatten , versuchte man den Protest der Boizenburger Bürger auf der Partei-Website klein zu reden und die Infostände dennoch als Erfolg zu verkaufen. Daher entschloss man sich vermeintlich aussichtsreichere Gegenden zu suchen, in denen weniger Widerspruch erwartet werden konnte. Also zog es die Wahlkampf-Truppe bereits gestern in das Rostocker Plattenbauviertel Lütten Klein1. Immer mit dabei der wohlbekannte Kleintransporter mit schweriner Kennzeichen, der je nach Gefahrenlage auch mit einem NPD-Fraktionslogo versehen wird. Das dazugehörige Magnetschild kann für 28 Euro bei der Partei erstanden werden.
Heute wurde das beschauliche Bad Doberan als Ziel auserkoren, jedoch war hier für den NPD-Funktionär David Petereit und den Rechtsrock-Konzertveranstalter Martin Krause2 um 12 Uhr bereits die Luft raus. Ihr nächster Termin sollte sie in die 7.700 Einwohner zählende Kleinstadt Bützow führen, in der sie ebenfalls einen Infostand angemeldet hatten.
Groß war jedoch der Schreck angesichts der Szenerie, die sich ihnen auf dem Bützower Markt bot. Dort warteten nämlich schon an die 30 junge und ältere Bützower um gegen die Nazis zu demonstrieren. Die rechten Wahlkämpfer trauten sich nicht einmal aus ihren Autos zu steigen, stattdessen traten sie die Gaspedale durch und fuhren wieder davon.
Das Protest auch mit einfachen Mitteln zum Erfolg führen kann und sich zuweilen selbst vorbestrafte Neonazis stärker durch zivilgesellschaftliches Engagement beeindrucken lassen, als sie jemals zugeben würden, zeigen die Beispiele in Bützow und Boizenburg sehr deutlich. Fest steht aber auch, das sich das Problem durch eine Intervention vor Ort nur selten gänzlich lösen lässt, sondern oft nur in das nächste Dorf oder die nächste Stadt verschoben wird.

  1. Ein Bericht über den gestrigen NPD-Infostand in Rostock-Lütten Klein findet sich auf der Website von Endstation-Rechts unter dem Titel „Begleitservice nach Art der NPD – Infostand in Rostock„[zurück]
  2. Dazu passend der Artikel „Neonazi-Konzert in Rostock verhindert“ vom 23.11.2008 auf der Website der Antifa-Gruppe A3, in dem ausführlich über ein Rechtsrock-Konzert berichtet wird, das Martin Krause letztes Jahr in Rostock veranstalten wollte.[zurück]

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