
Im Folgenden ein Beitrag der heute auf dem Hate-Blog unter www.hate-mag.com erschienen ist und eine Bahnfahrt nach mecklenburger Art schildert.
Die Postkarte Teil 1
Hallo Fabian,
schöne Grüße aus Boizenburg!
„Wo zur Hölle ist Boizenburg?“ wirst du fragen. Boizenburg liegt an der Elbe, in der Zone. Nach der Annektierung durch die BRD wurde die Kleinstadt so etwas wie ein Vorort von Hamburg. Das ändert aber nichts daran, dass wir uns hier im finsteren Mecklenburg-Vorpommern befinden, wo kahlrasierte Hansafans angetrunkene Rentner mit den Worten: „Soll ich dich umhauän odär was?“ aus der Fußgängerzone verteiben. Wir können es ihnen nicht verübeln: Das letzte spannende Ereignis in dieser trostlosen Gegend; die Abschlachtung eines Ehepaares durch zwei Teenager , liegt mehr als zwei Jahre zurück. In der Hoffnung mehr über die Tat zu erfahren, suchen wir das Elbe-Gymnasium auf, wo die beiden Jugendlichen zur Schule gingen. Leider haben die Sommerferien soeben begonnen und der Hausmeister kann uns auch nicht weiterhelfen. Nur eins weiß er sicher: „Die Medien waren schuld. Demnächst wird es sogar ein Gesetz geben, dass Kinderpornographie im Internet erlaubt.“ Da sind wir baff und müssen auf den Schock erstmal was essen. Die Fuzo-Nazis waren so freundlich uns einen Imbiss zu empfehlen: „Där is Grichä odär Italienär“, so genau weiss man das nicht. Und tatsächlich: Die Speisekarte beinhaltet nicht nur Pizza und Pasta, sondern auch Gyros und Döner. Wir streiten uns, ob das nun eher griechisch oder italienisch ist und einigen uns schließlich auf die goldene Mitte: So muss albanische Küche schmecken. Das Gyros besteht aus Jahunderte alten Eingeweiden der letzten Blutfehde und das Lübzer zieht schleimige Fäden. Ich trenne mich von meinem Begleiter und schleppe mich mit Magenkrämpfen zum Regionalexpress nach Hamburg. Zwischen Schwarzenbeck und Bergedorf übergebe ich mich ausgiebig.
Moritz.
Auch in Boizenburg gab es einmal Hoffnung auf Fortschritt und Humanität wie die Deko der Regionalschule noch immer bezeugt:
:D
Sehr schönes Wandbild (es besteht übrigens aus beinahe 5000 Fliesen) von Lothar Scholz aus dem Jahre 1971. Die Schule war früher übrigens eine Polytechnische Oberschule und trug den Namen Hermann Matern. Nach der Wende wurde sie 1992 bezeichnender Weise nach dem mecklenburgischen Nazi Rudolf Tarnow umbenannt.
Der Schriftzug auf dem Wandbild ist leider ein Goethe-Zitat:
Beim Betrachten des Bildes habe ich mich gefragt, ob der Hammer im DDR-Emblem bereits vor der Restauration des Wandbildes 2000 verkehrt herum dargestellt wurde.