Feindbild Links

Ostsee-Zeitung

Anmerkungen zur Pflege liebgewonnener Feindbilder, anlässlich des vergangenen Fußballspiels des FC Hansa Rostock.

Das Fussballspiele des FC St. Pauli immer wieder als Projektionsfläche und Anlass zu Übergriffen für Rechtsradikale in der gesamten Bundesrepublik dienen, ist keine neue Nachricht und seit langem auch eine Gewissheit, die sich tief in das Selbstverständnis der Fanszene in Hamburg eingebrannt hat. Es war daher zu erwarten, dass das Fußballspiel am vergangenen Montag nicht nur die in Rostock üblichen Fußballrandale hervorruft, sondern auch wieder eine ganze Reihe übler Gestalten anzieht.
Dies offenbart sich nicht zwangsläufig an der organisierten Fanszene, wie es dem Klischee nach oft unterstellt wird, sondern ebenso in den anderen Teilen des Stadions. Trotz aller vordergründigen Gegensätze, die Hooligans und Polizeibeamte, Ultras und Ordner sowie Fußballfans und Journalisten oft voneinander zu trennen scheinen, gibt es in Rostock gerade zu solchen Anlässen ein Feindbild, dass die allermeisten von ihnen wieder vereint. Es ist die Feindschaft gegenüber Linken und dem was als Links identifiziert wird.
So ist es kurioser Weise nicht nur der St. Pauli-Fananhang, welcher neben der gewohnten Rivalität auch politischen Schmähungen, wie etwa dem übergroßen Spruchbanner: „Wie spielt es sich für linksfaschistoide Hygienemuffel?“, ausgesetzt war. (siehe Bild unten)1
In der öffentlichen Nachbereitung ist es dann sogar der erlebnisorientierte Mob an Hansafans, welcher sich in der Montagnacht nach dem Spiel, eine Straßenschlacht mit der Polizei lieferte, welcher durch die Polizei zu „Autonomen“ umgedeutet wird. (siehe Bild oben)2
So war es etwa dem Leiter der Polizeiinspektion Rostock Peter Mainka nicht zu doof, heute in der Ostsee-Zeitung verkünden zu lassen, dass er die bei den Angriffen auf Zivil- und Verkehrspolizisten „Chaoten aus der autonomen Szene“ als Verursacher ausmacht.3

DKB-Arena

  1. Das Bild ist ein Screenshot von der Website www.suptras.de vom 04.11.2009 [zurück]
  2. Das Titelbild ist ein Faksimile der Titelseite der Ostsee-Zeitung, Ausgabe vom 04.11.2009 [zurück]
  3. Indirekt zitiert nach „Fan-Krawalle: Hansa-Chaoten jagten Polizisten“, erschienen in der Ostsee-Zeitung vom 04.11.2009 [zurück]

11 Antworten auf “Feindbild Links”


  1. 1 another day 04. November 2009 um 18:32 Uhr

    Ist mir heute auch ins Auge geschossen. Den örtlichen Ordnungs- und Sicherheitsbehörden scheint es wohl nicht zu behagen, dass zumindest in der Rostocker KTV eine Extremismustheorie light durchsetzt: Zwar wird der kürzlich erfolgte Angriff auf den Dickkoepp als politische Gewalt von ausgewählten Stimmen in der Öffentlichkeit (sprich: OZ) verurteilt; die Verantwortung für den Stress, dem die armen AnwohnerInnen durch solche Vorfälle ausgesetzt werden, wird allerdings gern (und zu Recht) den Kameraden zugeschoben. Die Selbstlügen der liberalen Demokratie werden immer dann am offensichtlichsten, wenn ihre Liberalität so absurde Deutungen wie die des Herrn Mainka provoziert. Und die OZ freut sich natürlich über den vermeintlichen Skandal einer vermeintlichen Zusammenarbeit von bösen Fußballrandalierern und extremistischen Chaoten. Linkradikal sein ist eben im Zweifel für Liberale nur ein Verbrechen.

  2. 2 amIspecial 04. November 2009 um 20:54 Uhr

    in dem bericht ist von einem hinterhalt die rede, also nicht von der „straßenschlacht“ der kutten in der kopernikusstr. wird also erstmal nichts umgedeutet.

    was natürlich nichts daran ändert, dass linke hier offensichtlich feindbild der bürgerlichen gesellschaft sind, was ja hoffentlich auch ein bisschen auf gegenseitigkeit beruht.

  3. 3 Administrator 04. November 2009 um 21:36 Uhr

    @AmIspecial
    Ich bin bewußt nicht genauer auf den konkreten Verlauf der Riots nach dem Spiel eingegangen und habe das alles unter dem einen Satz von der Straßenschlacht zusammengefasst. Aus zwei Gründen:

    Wie sich die ganze Szenerie nach dem Wasserwerfer-Einsatz zerfasert hat, ist unerheblich. Außer man möchte eine Expertendiskussion über Straßenkampf führen. Die öffentliche Wahrnehmung, sieht in den „Scharmützeln“ im ganzen Viertel und der Straßenschlacht an der Haltestelle Stadion ein und das selbe.

    Darauf aufbauend, spricht Peter Mainka (meiner Interpretation zufolge) auch in seinem Bericht, der in der Ostsee-Zeitung zitiert wird, auch über alle Randale die von Hansafans nach dem Spiel verübt wurde insgesamt und betont dabei eben, den neuen Charakter mit dem Hinterhalt und so weiter. So wird es daher auch der Leser in der Ostsee-Zeitung verstehen, der nun bei der Erinnerung an den Wasserwerfereinsatz am Stadion, den er in der Zeitung auf all den Fotos gesehen hat, an einen von Autonomen inszenierten Krawall glaubt. (Sofern er der Polizei glaubt)

  4. 4 amIspecial 05. November 2009 um 16:48 Uhr

    auf die absichtliche vermengung aller riots im oz-artikel habe ich gar nicht geachtet, von daher stimmt dein vorwurf schon.

  5. 5 hate 09. November 2009 um 19:24 Uhr

    Soll das so eine Art Frakturschrift sein auf dem Suptrasbanner?

  6. 6 Frutti 09. November 2009 um 22:46 Uhr

    @hate: zumindest scheint es so!

  7. 7 strapaze 10. November 2009 um 17:11 Uhr

    …und das findest du jetzt gut? @frutti

  8. 8 Administrator 10. November 2009 um 20:45 Uhr

    Hier gibt es das Bild noch einmal besser:

    http://www.suptras.de/bilder/fotos/0910/pauliheim/index.php?picno=14

    Fraktur ist das nicht, wirklich. Man könnte höchstens die Absicht unterstellen so etwas ähnliches erzeugt zu haben, um Assoziationen mit der Fraktur (und wiederum den Dingen die manche mit Fraktur assoziieren) hervorzurufen.

    Zum Vergleich was Fraktur ist:
    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Gebrochene_Schriften.png&filetimestamp=20050323102456

  9. 9 Frutti 10. November 2009 um 22:44 Uhr

    Hab ich mit keinem Wort behauptet, wer meinen Blog (und meine Kommentare in anderen Blogs) liest, der weiß, dass ich mich für die Rostocker-Fanszene derzeit nur schäme…

  10. 10 strapaze 11. November 2009 um 17:08 Uhr

    Ok, akzeptiert.

  11. 11 strapaze 11. November 2009 um 17:09 Uhr

    @Admin: Hat mich halt nur an die typische NSDAP-Plakat Fraktur erinnert.

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